Der Atomausstieg der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer war offensichtlich ein schwerer Fehler. Das zeigt sich in den heutigen Tagen der schwarz-gelben Koalition. Es war letztlich naiv, den Energiekonzernen so weit entgegenzukommen und ihnen derart lange Restlaufzeiten für ihre Atomkraftwerke zuzusichern. Rechtlich wäre eine Stilllegung innerhalb der rot-grünen Legislaturperiode vermutlich sehr schwierig geworden, aber so geht das Elend einfach weiter.
 


Gut, CDU, CSU und FDP haben schon im Wahlkampf angekündigt, den Atomausstieg rückgängig machen zu wollen. Das haben also alle gewusst und sie trotzdem gewählt. Dumm gelaufen, aber das müssen wir nun akzeptieren. Aber da ein Festhalten an der Kernkraft nicht nur aufgrund der kaum überschaubaren Risiken im Grunde der reine Wahnsinn ist und es zudem eine teure Angelegenheit ist möchte ich doch noch einmal darlegen, wieso sich mir beim Thema Atomenergie die Fußnägel hochrollen.
 
Als Hauptargument für die weitere Nutzung der Atomenergie wird meist der günstigere Preis gegenüber regenerativen Energiequellen genannt, die in der Regel ohne Subventionen noch keine Marktpreise erreichen. Aber ist das wirklich so? Wo wären denn die alternativen Energieerzeuger heute, wenn sie so massiv vom Staat gefördert worden wären, wie einst und auch heute noch die Atomkraft? Zig Milliarden Euro hat der Staat für die Erforschung der Atomenergie aufgewendet. Heute ist es wohl unstrittig, dass dieses Geld besser in Windkraft, Photovoltaik oder sonstigen sauberen Methoden der Energieerzeugung angelegt gewesen wäre.
 
Zudem kostete und kostet uns als Steuerzahler die Nutzung der Kernkraft weiterhin enorme Summen jenseits der Stromrechnung. Wer kommt für die Lagerung des ganzen Atommülls auf? Nein, nicht die Energiekonzerne (weil sich das Geschäft sonst nicht lohnen würde) – sondern der Staat. Nur so am Rande: Bei den Atomtransporten entstehende Kosten für den Polizeischutz zahlen natürlich auch nicht die Konzerne.
 
Leider ist der Atommüll aus unseren Kraftwerken für mehrere hunderttausend, wenn nicht sogar millionen Jahre gefährlich. Deshalb gibt es ja weltweit kein „Endlager“, dass diese Bezeichnung verdient. Wer kann denn schon sagen, dass eine geologische Formation sich in den nächsten, sagen wir mal, zehn Millionen Jahren nicht verändert? Und wer kann eigentlich garantieren, dass unsere Warnhinweise und Warnschilder an den Toren zu den „Endlagern“ auch nur in einhunderttausend Jahren überhaupt noch jemand entziffern kann? Wir Menschen können erst seit ein paar tausend Jahren schreiben und haben schon heute arge Probleme beim Entziffern alter (In-)Schriften.
 
Kommen wir zurück zu den Kosten – auch wenn es zynisch klingt. Was passiert eigentlich bei einem Supergau? Mal ganz abgesehen von den vielen Menschen, die dem zum Opfer fallen würden? Der Energiekonzern, dem das entsprechende Kraftwerk gehört, haftet für die Schäden. Soweit, so gut. Allerdings würden die zu erwartenden Schäden den Wert der Konzerne bei weitem übertreffen. Also müsste eine Versicherung eintreten. Aber Versicherungen verweigern aus gutem Grunde die Absicherung im Falle eines Super-GAUs. Das könnte nämlich auch keine Versicherung bezahlen. Also haftet – Sie ahnen es bereits – der Staat. Unglaublich, aber wahr.
 
Die Energiekonzerne scheffeln also dicke Gewinne mit vermeintlich niedrigen Strompreisen, für die wir letztlich doch teuer bezahlen müssen. Wie soll ich denn später meinen Kindern erklären, warum wir so einen Wahnsinn begonnen und noch nichtmal beendet haben, nachdem wir erkannt haben, dass die Nutzung der Atomenergie absurd ist? Noch dazu gibt es schon lange Alternativen, die wirklich sinnvoll und ungefährlich dazu sind. Das macht die Erklärung umso schwieriger. Mein einziger Ausweg aus diesem Dilemma liegt darin, dass ich auch weiterhin mit allen legalen mir zur Verfügung stehenden Mitteln für einen endgültigen Atomausstieg streite.
 
Mal ganz abgesehen davon, hätte man mit all dem Geld aus dem Konjunkturprogramm (Abwrackprämie) ein stattliches „alternative-Energien-Konjunkturprogramm“ anschieben können – anstatt die Krise der Automobilindustrie lediglich um ein Jahr zu verschieben.

01. Februar 2010