Kurz nachdem am 31. März 2010 die ersten Vorwürfe gegen den Augsburger Bischof Dr. Walter Mixa in der „Süddeutsche Zeitung“ publiziert wurden, gab der für seine häufig nicht gesellschaftsfähigen Auslassungen bekannte Bischof der „Bild am Sonntag“ ein Interview. Darin betonte er, dass die Vorwürfe haltlos seien, und er zu keiner Zeit körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe. Inzwischen wissen wir es besser.
Hier nochmal die entscheidenden Passagen aus dem Interview vom 4. April 2010:

"Gewalt und Priestertum sind in unserer Kirche und mit unserem Glauben unvereinbar. Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten. Deshalb habe ich zu den Vorwürfen, die aktuell gegen mich erhoben werden, ein reines Herz", sagte Bischof Mixa am 4. April 2010 der "Bild am Sonntag".

"Die erhobenen Vorwürfe erschüttern mich, weil ich zu keiner Zeit körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form angewandt habe. Gewalt zwischen Menschen lehne ich grundsätzlich ab. Ich bin als Mensch und als Christ fest überzeugt, dass jeder Mensch so behandelt werden muss, wie man selbst behandelt werden möchte.“

Gleichzeitig sagte er der "Welt am Sonntag", die ehemaligen Heimkinder könnten sich ohnehin bestimmt nicht mehr an ihn erinnern. "Ich erinnere mich auch nicht mehr an sie." Tolle Logik. Frei nach dem Motto: Wenn ich mir die Augen zuhalte, kannst Du mich auch nicht sehen. Für Herrn Mixa schien das Thema damit erledigt.

siehe auch:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article7046878/Pruegelvorwuerfe-Mixa-hat-ein-reines-Herz.html#vote_7024469
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,687210,00.html

Schade nur, dass sich in der Folge immer mehr Menschen meldeten, die eidesstattliche Versicherungen abgaben. Darin erklärten sie, von Herrn Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer in Augsburg geschlagen worden zu sein. So ließ sich seine offensichtlich unwahre Aussage, dass er niemals Kinder geschlagen habe, nicht mehr halten. Mixa trat dann am 16. April 2010 die Flucht nach vorne an und versuchte zu retten, was zu retten ist. Die von ihm durchgeführten Prügel versuchte er als „Watschen“ kleinzureden.

Hier die wichtigsten Passagen aus dem Interview der "Bild-Zeitung" vom 16. April 10:

„Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschen von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann. Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch.“

„Falls es zu Ohrfeigen gekommen sein sollte, bedauere ich das heute aufrichtig.“

Was soll das heißen? Es war für ihn (und angeblich alle anderen Menschen auch) normal, Kinder zu schlagen. Aber er formuliert so wage, als ob er nicht wisse, ob er jemals jemanden geschlagen hat. Übersetzt heißt das wohl so viel wie: Ich gebe nur das zu, was sich nicht mehr leugnen lässt. Und gelogen hat Herr Mixa offensichtlich. Jeder darf ihn also mit Fug und Recht einen Lügner nennen. Aber wie war das mit den Zehn Geboten? „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“, in alltagstauglichem deutsch: Du sollst nicht lügen. Tja. Pech gehabt. Laut katholischer Doktrin steht darauf wohl das ewige Höllenfeuer. Für gläubige Katholiken sollte die Sache damit erledigt sein. Er braucht sich nicht zu entschuldigen – schließlich wird er ja von Gott persönlich bestraft. Aber für Atheisten, die den ganzen Hokuspokus nicht glauben, ist gar nichts erledigt. Herr Mixa hat Kinder geschlagen, aber zu einer ehrlichen Entschuldigung kann er sich nicht durchringen.

Mal ganz abgesehen davon, dass Jesus Gewaltlosigkeit gepredigt hat. Und als Pfarrer wird Mixa es wohl auch getan haben. Ist es dann nicht umso verwerflicher, trotz des Gebotes der Gewaltlosigkeit wehrlose Kinder zu schlagen? Selbst wenn es zu den Zeiten normal gewesen sein sollte? Klingt wie ein klassischer Fall aus der Kategorie „Wasser predigen und Champagner saufen“. Vielleicht ist Herr Mixa aber auch einfach nicht so gläubig, wie er immer behauptet...sonst hätte er wohl kaum Kinder prügeln können (ja, Schläge ins Gesicht sind Prügel).

Das Argument von der Normalität der Prügel in Schulen und Erziehung zu der Zeit führt Mixa an, als habe ihn jemand zum Schlagen von Kindern gezwungen. Das war aber aller Wahrscheinlichkeit nicht der Fall. Das war jeweils die individuelle Entscheidung von Herrn Mixa gegen die Prinzipien von Jesus Christus. Moralisch und ethisch scheint es also nicht wirklich besondere Bedenken von Herrn Mixa gegen den Einsatz von Gewalt gegeben zu haben. Ansonsten hätte er ja ohne Probleme auf Schläge verzichten können. Ihm wären daraus wohl kaum Nachteile entstanden.

Diese Doppelzüngigkeit von vielen Vertretern der Kirche ist wahrlich abstoßend. Bleibt nur zu hoffen, dass weiterhin mehr Menschen die logische Konsequenz ziehen und aus der Kirche austreten. Toll wäre, wenn wir dann irgendwann einmal die Trennung von Staat und Kirche hinbekämen und uns tatsächlich mit Fug und Recht als säkular bezeichnen könnten. Denn bezahlt werden Bischofsgehälter in der Regel vom Staat bzw. Land (Herr Mixa macht da keine Ausnahme).